Ich habe mich in den letzten Tagen bei etwas erwischt, von dem ich eigentlich dachte, dass ich inzwischen ziemlich gut darin wäre, es sein zu lassen: vergleichen.
Nicht dieses offensichtliche Vergleichen, bei dem man durch Instagram scrollt und denkt, dass offenbar alle anderen gerade auf den Malediven sitzen, zehn Kilo weniger wiegen und nebenbei ein Unternehmen führen, das sich praktisch von allein finanziert.
Es war viel subtiler. Da war einfach dieser kurze Blick auf das Leben anderer - und plötzlich fing im Kopf die Rechnerei an. Was haben die schon? Wo stehen die? Und wo stehe eigentlich ich?
Und ehe man sich versieht, zieht man Bilanz. Nicht über das, was da ist, sondern über das, was fehlt. Das Verrückte daran ist: Fünf Minuten vorher hat nichts gefehlt.
Das eigene Leben war exakt dasselbe. Kein Euro weniger auf dem Konto, kein Erfolg verschwunden, kein schöner Moment aus der Vergangenheit gelöscht, kein Mensch weniger da, den man liebt. Es hatte sich überhaupt nichts verändert. Außer dem Maßstab.
Und plötzlich dachte ich wieder an diesen Satz: Der Vergleich ist der Dieb der Freude.
Er wird Theodore Roosevelt zugeschrieben, wobei sich solche Zuschreibungen bekanntlich gern verselbstständigen. Aber eigentlich ist es auch egal, wer ihn zuerst gesagt hat. Er trifft einen ziemlich empfindlichen Punkt.
Wir vergleichen nie das ganze Leben
Das ist wahrscheinlich der größte Denkfehler dabei. Wir nehmen einen Ausschnitt aus dem Leben eines anderen und halten unser komplettes Leben daneben.
Jemand hat etwas erreicht, das wir nicht erreicht haben. Besitzt etwas, das wir nicht besitzen. Hat eine Entscheidung anders getroffen. Scheint an irgendeinem Punkt weiter zu sein. Und sofort meldet sich diese kleine innere Buchhaltung.
Hätte ich früher …
Warum habe ich nicht …
Eigentlich müsste ich doch längst …
Dabei kennen wir die andere Bilanz überhaupt nicht.
Wir wissen nicht, was etwas gekostet hat. Und damit meine ich ausdrücklich nicht nur Geld. Wir kennen die Umwege nicht, die Verzichte, die Sorgen, die Beziehungen, die Nächte, in denen jemand wach lag. Genauso wenig sieht ein anderer Mensch all das, was hinter unserem eigenen Leben steckt.
Und vor allem vergleichen wir Dinge, die sich manchmal überhaupt nicht vergleichen lassen. Leben verlaufen nicht auf einer genormten Strecke. Es gibt keine Zwischenzeit bei Kilometer 25, an der jemand mit einer Stoppuhr steht und sagt: Für dein Alter müsstest du jetzt aber wirklich weiter sein. Auch wenn wir manchmal genau so mit uns umgehen.
Was haben wir eigentlich geschafft?
Diese Frage finde ich trotzdem spannend. Nur müsste man sie anders stellen. Nicht: Was haben wir im Vergleich zu anderen geschafft? Sondern einfach: Was haben wir geschafft?
Und plötzlich verändert sich etwas.
Dann gehören nämlich auch die Umwege zur Geschichte. Die Dinge, die schiefgegangen sind. Entscheidungen, die man heute vielleicht anders treffen würde. Zeiten, in denen man von vorn anfangen musste. Mut, den damals niemand gesehen hat. Dinge, die man aufgebaut hat und vielleicht irgendwann wieder losgelassen hat.
Wir sind erstaunlich gut darin, Erfolge abzuhaken und Niederlagen jahrelang mit uns herumzutragen. Was gelungen ist, wird irgendwann normal. Was nicht gelungen ist, landet dagegen gern in der persönlichen Beweisakte dafür, dass man an irgendeiner Stelle im Leben falsch abgebogen sein könnte. Vielleicht müssten wir diese Akte gelegentlich einfach mal schließen.
Zufrieden - und trotzdem noch nicht fertig
Ich glaube nämlich nicht, dass Zufriedenheit bedeutet, keine Wünsche mehr zu haben.
Ich möchte noch Dinge erreichen. Ich habe Ideen. Pläne. Ich will manches verändern und anderes unbedingt noch erleben. Und wahrscheinlich werde ich auch mit 80 noch irgendein Projekt anfangen, bei dem jemand vernünftigerweise sagen würde: Muss das jetzt wirklich noch sein?
Hoffentlich.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen Ich möchte noch etwas und Das, was ich habe, reicht nicht.
Der erste Gedanke macht neugierig. Der zweite macht klein. Und genau da liegt für mich inzwischen ein ziemlich großer Teil von Balance: weitergehen zu wollen, ohne den Ort abzuwerten, an dem man gerade steht.
Das klingt einfacher, als es ist. Vor allem in einer Welt, in der wir permanent sehen, was andere haben, können, kaufen, erleben und erreichen. Vielleicht müssen wir deshalb manchmal ganz bewusst aus diesem großen Schaufenster aussteigen.

Einmal zurück zu mir
Und hier kommt für mich tatsächlich der Duft ins Spiel. Nicht als ätherisches Öl gegen Neid, Vergleiche oder Lebenskrisen. Bitte nicht. Sondern als Unterbrechung.
Gerüche können etwas, das Gedanken manchmal erstaunlich schlecht können: uns sehr schnell ins Hier und Jetzt holen. Deshalb gefällt mir die Vorstellung eines kleinen Rituals.
Wenn dieses innere Rechnen wieder losgeht, nicht noch zehn weitere Gedanken hinterherschicken. Nicht weiter durch fremde Leben scrollen.
Aufhören. Einen Duft nehmen, den man mag. Ein paar Tropfen in den Diffusor geben oder einfach an der Flasche riechen. Einen Moment sitzen bleiben und sich nur eine Frage stellen: Wenn ich mich gerade mit niemandem vergleichen könnte - wäre mein Leben dann eigentlich weniger schön?
Ich finde diese Frage ziemlich groß. Denn manchmal lautet die Antwort schlicht: Nein.
Bei mir
Für diesen Moment würde ich eine Mischung wählen, die nicht antreibt und auch nicht unbedingt gute Laune machen muss. Sie soll eher dieses Gefühl haben, wieder ein Stück bei sich selbst anzukommen.
3 Tropfen Bergamotte
2 Tropfen Copaiba
1 Tropfen Weihrauch
Bergamotte bringt Helligkeit hinein, Copaiba etwas Weiches und Ruhiges und Weihrauch diese besondere Tiefe, die für mich wunderbar zu Momenten passt, in denen es weniger ums Tun und mehr ums Wahrnehmen geht. Vielleicht nenne ich die Mischung einfach „Bei mir“. Denn darum geht es am Ende.
Ich darf mich inspirieren lassen. Ich darf jemanden bewundern. Ich darf sehen, was andere geschaffen haben, und denken: Das hätte ich auch gern.
Nur sollte ich darüber nicht vergessen, mich gelegentlich umzudrehen und anzuschauen, was hinter mir liegt. Nicht alles davon war gerade. Nicht alles war klug. Nicht alles würde ich noch einmal genauso machen. Aber es ist mein Weg.
Und wenn ich aufhöre, ihn ständig neben den eines anderen zu legen, sieht er plötzlich wieder ganz anders aus. Vielleicht sogar ziemlich gut. Oder?
Also schau ruhig nach links und rechts. Aber komm immer wieder bei dir an.
Alles Liebe,
Deine Alex









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