Wann hast du das letzte Mal wirklich nichts getan?

Nicht gelesen. Nicht aufs Handy geschaut. Keine Musik gehört. Keinen Podcast laufen lassen. Nicht nebenbei die Küche aufgeräumt, Nachrichten beantwortet oder im Kopf schon den nächsten Tag organisiert.

Einfach nur dagesessen. Fünf Minuten.

Diese Vorstellung klingt beinahe lächerlich einfach. Und doch dürfte sie vielen von uns erstaunlich schwerfallen. Denn wir haben uns daran gewöhnt, nahezu jede Lücke unseres Tages zu füllen. Wenn wir irgendwo warten, greifen wir zum Handy. Beim Autofahren läuft das Radio. Beim Spaziergang begleitet uns ein Podcast. Beim Kochen Musik, beim Einschlafen eine Serie. Selbst die wenigen Minuten, in denen eigentlich nichts von uns verlangt wird, bekommen noch schnell eine Aufgabe.

Stille ist selten geworden.

Und möglicherweise haben wir dabei vergessen, dass die Pause nicht das Gegenteil des Lebens ist. Sie gehört dazu.

Ohne Pause keine Musik

In einem Musikstück ist eine Pause kein Fehler. Kein Loch, das der Komponist vergessen hat zu füllen. Sie ist Teil der Komposition.

Ein Ton darf verklingen. Eine Melodie bekommt Raum. Spannung entsteht. Etwas kann nachwirken, bevor etwas Neues beginnt. Würden alle Töne ohne Unterbrechung ineinanderfließen, bliebe irgendwann nur noch eine Wand aus Klang.

Erst die Pause gibt den Tönen ihre Bedeutung. Warum sollte das in unserem Leben anders sein?

Wir versuchen, möglichst viel darin unterzubringen: Arbeit, Familie, Termine, Nachrichten, Informationen, Unterhaltung, Verpflichtungen, Pläne. Selbst unsere Erholung wird inzwischen organisiert. Yoga um 18 Uhr, Podcast beim Spaziergang, Atemübung per App, danach noch schnell zehn Minuten Selfcare.

Wir optimieren sogar unsere Pausen. Dabei könnte eine Pause manchmal genau das sein: eine Pause.

Die Natur kennt keinen Dauerbetrieb

Gerade jetzt im Herbst lässt sich beobachten, wie selbstverständlich die Natur mit Rückzug umgeht.

Die Tage werden kürzer. Pflanzen ziehen ihre Kräfte zurück. Blätter fallen. Wachstum wird langsamer oder verschwindet vollständig aus unserem Blick. Die Natur versucht nicht, den Sommer bis Dezember festzuhalten.

Sie reduziert.

Ein Baum betrachtet seine kahlen Äste nicht als persönliches Versagen. Er produziert auch nicht hektisch neue Blätter, weil Stillstand gesellschaftlich einen schlechten Ruf hat.

Sein Rückzug gehört zum Rhythmus.

Und während draußen alles ein wenig leiser wird, drehen wir Menschen häufig noch einmal auf. Jahresendgeschäft, Termine, Weihnachtsplanung, Verpflichtungen. Dazu eine permanente Geräuschkulisse aus Nachrichten, sozialen Medien und Informationen.

Unser Körper lebt jedoch nicht außerhalb der Natur. Auch wir kennen Aktivität und Ruhe, Anspannung und Entspannung, Einatmen und Ausatmen, Wachsein und Schlaf.

Kein Herz schlägt nur in einer einzigen Bewegung. Rhythmus entsteht durch Wechsel.

Mein eigener Weg in die Stille

Das Thema beschäftigt mich gerade auch aus einem sehr persönlichen Grund.

Ich habe in den vergangenen Monaten vieles in meinem Leben verändert und mich intensiv damit beschäftigt, was ich selbst für meine Gesundheit tun kann. Ernährung, Gewohnheiten, Bewegung, Schlaf, bewussterer Umgang mit dem, was meinem Körper guttut und was nicht. Dabei rückt für mich ein Bereich immer stärker in den Mittelpunkt: mein Stresslevel.

Denn Gesundheit besteht für mich längst nicht mehr nur aus dem, was wir essen, trinken oder unserem Körper zuführen. Es geht auch darum, wie wir leben. Wie oft wir unter Spannung stehen. Wie viele Reize jeden Tag auf uns einprasseln. Wie häufig unser Kopf schon beim nächsten Punkt ist, während unser Körper noch mit dem vorherigen beschäftigt ist.

Deshalb möchte ich mich nun intensiver mit Meditation beschäftigen. Ich schreibe bewusst: beschäftigen.

Ich bin nicht die Frau, die seit zwanzig Jahren jeden Morgen um fünf Uhr eine Stunde meditiert und nun erklären möchte, wie es geht. Ich taste mich selbst heran. Und gerade das finde ich spannend. Denn womöglich beginnt Meditation gar nicht mit der perfekten Technik. Sondern mit der Fähigkeit, Stille überhaupt wieder auszuhalten.

Stille an sich ist für mich überhaupt kein Problem. Ich liebe Stille - und doch nehme ich mir (wie so viele) zu wenig bewusst Zeit dafür. 

Was passiert, wenn plötzlich nichts passiert?

Wer sich hinsetzt und versucht, still zu werden, macht häufig eine überraschende Entdeckung: Es ist überhaupt nicht still.

Der Kopf produziert Einkaufslisten, Gesprächsfetzen, Sorgen, Ideen und Erinnerungen. Irgendwo juckt es. Die Sitzposition nervt. Drei Minuten fühlen sich plötzlich erstaunlich lang an.

Wir bemerken in der äußeren Stille erst, wie laut es in uns geworden ist. Und genau deshalb interessiert mich dieses Thema so sehr. 

Das Buch „Werde übernatürlich“ von Joe Dispenza und auch seine Webinare haben mir dazu weitere Denkanstöße gegeben. Dispenza beschäftigt sich intensiv mit Meditation, Bewusstsein und der Frage, welchen Einfluss unsere Gedanken, Emotionen und inneren Zustände auf unseren Körper haben können. Besonders faszinierend finde ich die zahlreichen Erfahrungsberichte von Menschen, die beschreiben, wie sie durch die konsequente Anwendung dieser Techniken tiefgreifende Veränderungen erlebt haben - in ihrem Wohlbefinden, ihrer inneren Verfassung und teilweise auch in ihrem Gesundheitszustand.

Solche persönlichen Erfahrungen sind kein Beweis dafür, dass sich eine Erkrankung durch Meditation heilen lässt. Aber ich finde, sie sind Grund genug, genauer hinzuschauen und sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Möglichkeiten in uns selbst liegen könnten. Denn der Einfluss von Stress, innerer Anspannung, Gedanken und Emotionen auf unseren Organismus ist für mich ein Bereich, dem wir im Alltag noch immer viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

Mich interessiert deshalb vor allem diese Frage: Was verändert sich, wenn ich meinem System regelmäßig Zeiten gebe, in denen es nichts leisten, nichts beantworten und auf nichts reagieren muss?

Das möchte ich herausfinden. Nicht irgendwann. Jetzt.

Duft als Türöffner

Und natürlich landet man bei Tea & Trees irgendwann bei der Nase.

Gerüche besitzen eine besondere Verbindung zu Bereichen unseres Gehirns, die an Emotionen und Erinnerungen beteiligt sind. Ein Duft kann deshalb zu einem erstaunlich kraftvollen Ritual werden. Dabei muss ein ätherisches Öl die Stille nicht „machen“.

Ich finde einen anderen Gedanken viel schöner: Wir können einen Duft zum Anker für sie werden lassen.

Wenn wir vor einer Meditation oder einer bewussten Pause immer wieder denselben Duft verwenden, bekommt er eine Bedeutung. Fläschchen öffnen. Einatmen. Augen schließen.

Jetzt beginnt meine Pause.

Das Ritual selbst markiert den Übergang zwischen Außen und Innen.

Für meine persönliche Mischung würde ich deshalb keine helle, quirlige Komposition wählen. Ich möchte Tiefe, Erdung und Wärme.

Stille

3 Tropfen Weihrauch
2 Tropfen Copaiba
1 Tropfen Vetiver

Eine ruhige, erdige Mischung für den Diffuser. Nicht dazu gedacht, den Raum mit Duft zu überladen. Im Gegenteil. Wenige Tropfen reichen.

Auch der Duft darf leise sein.

Fünf Minuten, in denen nichts geschehen muss

Ich möchte aus diesem Beitrag keine weitere Aufgabe machen, die anschließend auf einer To-do-Liste landet. Deshalb nur eine Einladung.

Nimm dir irgendwann heute fünf Minuten.

Leg das Handy außer Reichweite. Schalte Musik und Fernseher aus. Kein Podcast. Kein Buch. Kein Räucherstäbchen-Ritual mit sieben Arbeitsschritten. Du musst auch nicht versuchen, besonders tief zu meditieren.

Setz dich einfach hin. Atme. Hör hin.

Vielleicht hörst du draußen einen Vogel, ein Auto oder den Wind. Vielleicht hörst du deinen Atem. Und sehr wahrscheinlich hörst du irgendwann deinen eigenen Kopf.

Lass auch ihn eine Weile reden. Du musst nicht jeden Gedanken verfolgen. Fünf Minuten, in denen nichts erreicht werden muss.

Ich werde genau dort anfangen.

Denn möglicherweise brauchen wir nicht immer noch etwas Neues, um uns besser zu fühlen. Kein weiteres Wissen, keinen weiteren Input, keine weitere Methode.

Manchmal brauchen wir weniger.

Weniger Geräusch.
Weniger Reiz.
Weniger Müssen.

Und einen Moment, in dem etwas nachklingen darf. Wie in der Musik.

Wir verbringen so viel Zeit damit, möglichst viele Töne in unser Leben zu bekommen. Dabei übersehen wir leicht, dass eine Komposition nicht dadurch schön wird, dass sie möglichst voll ist.

Erst die Pause macht aus Tönen Musik.

Und womöglich macht sie auch aus all den einzelnen Momenten unseres Alltags wieder etwas, das wir wirklich wahrnehmen können.

Gönn dir ein bisschen Raum zwischen den Tönen.
Deine Alex

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